Heute am 1. Advent beginnt für viele Christinnen und Christen die besinnliche Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Dieser Tag symbolisiert nicht nur Hoffnung und Licht, sondern erinnert uns auch an unsere gemeinsame Verantwortung für Gerechtigkeit und Menschenwürde. Sowohl das Christentum als auch der Islam teilen die grundlegende Überzeugung von der Gleichwertigkeit aller Menschen. Historisch gingen von christlichen Initiativen entscheidende Impulse zur Abschaffung der Sklaverei, für Gleichstellung und gegen Rassismus aus. Diese gemeinsame ethische Basis verbindet uns im Engagement gegen Diskriminierung in all ihren Formen.
1. Die Würde des Menschen im Islam: Eine göttliche Gabe
“Die Würde des Menschen ist unantastbar” – so lautet der erste Artikel unseres Grundgesetzes. Diese fundamentale Wahrheit findet sich ebenso im islamischen Menschenbild wieder: Die Würde ist jedem Menschen von Gott verliehen und steht daher nicht zur Disposition.
Der Koran betont dies deutlich:
“Und wahrlich, Wir haben den Kindern Adams Würde verliehen” (Sure al-Isrāʾ, 17:70).
Diese göttliche Ehrung macht jeden Menschen – unabhängig von Herkunft oder Status – zum Träger einer unveräußerlichen Würde.
2. Der wahre Maßstab: Gottes Urteil statt menschlicher Vorurteile
Der Wert eines Menschen wird nicht durch Äußerlichkeiten wie Herkunft, Hautfarbe oder sozialen Status bestimmt. Der wahre Maßstab liegt allein bei Gott, der in die Herzen schaut und die Taten kennt.
Der Koran lehrt:
“Allah kennt das Verborgene der Himmel und der Erde und weiß, was ihr verbergt” (Sure at-Taġābun, 64:4).
Und der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm) verdeutlichte:
“Allah schaut nicht auf eure Aussehen oder euren Besitz, sondern Er schaut auf eure Herzen und eure Taten” (Sahih Muslim).
Diese spirituelle Perspektive entzieht jeder Form von Rassismus und Diskriminierung die Grundlage.
3. Vielfalt als göttliche Weisheit: Die Bereicherung durch Unterschiede
Die menschliche Vielfalt ist kein Zufall, sondern Ausdruck göttlicher Weisheit. Der Koran beschreibt dies als bewusste Schöpfung:
“O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt” (Sure al-Ḥuǧurāt, 49:13).
Unterschiede in Ethnien, Kulturen und Sprachen sind demnach keine Gründe für Überlegenheitsdenken, sondern Einladungen zum Dialog und zur gegenseitigen Bereicherung.
4. Wissenschaft und Glaube gehören Hand in Hand: Das WinRa-Netzwerk
WinRa steht für Wissenschaftsnetzwerk Rassismusforschung. Es ist ein bundesweites Netzwerk, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird und die Rassismusforschung in Deutschland vernetzt. Die Broschüre WinRa 25/1127 gibt einen Überblick über aktuelle Projekte und zeigt:
- Rassismus ist strukturell: Er wirkt in Schulen, Gerichten, Krankenhäusern und Medien.
- Forschungsschwerpunkte: Projekte wie GraL (Lehrerbildung), JuRa (Justiz), RaDiGe/RiGeV (Gesundheitsversorgung) und MeAviA (Mediale Antiziganismen) analysieren, wie Diskriminierung entsteht und wie man ihr begegnen kann.
- Ziel: Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammenbringen, um Lösungen zu entwickeln.
- WinRa-Wissensarchiv: Eine Plattform mit Studien, Materialien und Leitfäden für Praxis und Bildung.
Warum thematisieren wir das hier? Weil die islamische Botschaft und die wissenschaftlichen Erkenntnisse sich ergänzen: Beide sagen, dass die Würde des Menschen geschützt werden muss – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Religion. Für uns als muslimische Gemeinschaft bedeutet das: Wir können und sollten Teil dieser Netzwerke sein, um unsere Werte praktisch umzusetzen.
5. Verantwortung der muslimischen Gemeinschaft
Als Muslime tragen wir eine besondere Verantwortung im Kampf gegen Rassismus:
- Bildung: In Familien, Moscheen und Vereinen müssen Gleichheit und Gerechtigkeit kontinuierlich thematisiert werden.
- Solidarität: Unser Einsatz muss über die Bekämpfung von Islamfeindlichkeit hinausgehen und alle Formen von Diskriminierung umfassen – Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus gegen Schwarze Menschen, Anti-asiatischen Rassismus sowie Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Sprache, Geschlecht, Behinderung, sexueller Orientierung oder sozialem Status.
- Handeln: Durch Kooperation mit Projekten wie WinRa, Teilnahme an Konferenzen und Unterstützung von Bildungsinitiativen können wir wirksame Veränderungen bewirken.
Schlussgedanke:
Die Würde des Menschen ist unantastbar – dies ist das fundamentale Bekenntnis unseres Grundgesetzes (Art. 1 GG). Diese Würde ist nach islamischer Lehre jedem Menschen von Gott verliehen (Koran 17:70) und wird durch unser Grundgesetz geschützt. Niemand darf sie verletzen. Der Islam lehrt uns, dass allein Gott den wahren Wert eines Menschen kennt. Die WinRa-Broschüre zeigt Wege auf, wie wir diese universelle Wahrheit gesellschaftlich verankern können. Als muslimische Gemeinschaft sind wir daher täglich aufgefordert, aktiv gegen Rassismus einzutreten – im Dialog, durch Bildung und in Solidarität mit allen Menschen.
Was denkst du? Sollten muslimische Organisationen in Deutschland stärker mit Netzwerken wie WinRa zusammenarbeiten? Teile deine Meinung in den Kommentaren!

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